Soja-Pflanze

Gentechnikfreie Fütterung in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf

Gemeinsame Pressemitteilung von den Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bezirkstag Mittelfranken vom 1. Dezember 2011

Soja-Pflanze

Die bayerischen Verbraucher/innen lehnen Gentechnik in der Landwirtschaft und im Essen mehrheitlich ab. Trotzdem will die CSU im Bezirkstag Mittelfranken und die Leitung des Bezirksguts “Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf”, genmanipuliertes Tierfutter weiter einsetzen.

SPD und Grüne hatten bereits vor einigen Monaten den Antrag gestellt, dass zukünftig in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) Triesdorf kein Gensoja mehr verfüttert wird. Der Antrag wurde zunächst vertagt, um die Stellungnahme des Fachbeirats der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf abzuwarten. In der Wirtschafts- und Umweltausschuss-Sitzung am 23. November 2011 in Weingartsgreuth nahmen der Leiter der LLA Triesdorf, Herr Otto Körner, sowie der Leiter der Tierhaltungsschule, Herr Uwe Mohr, zum zweiten Mal dazu Stellung. So erklärten sie, dass aus fachlicher Sicht keine Änderung der Tierfütterung nötig sei und dass ein Verbot von Gensoja nicht das richtige Signal sei. Außerdem würden von den zugelassenen GVO-Futtermitteln keine Beeinträchtigung für Tier, Lebensmittel und Mensch ausgehen. Bisher betonten Herr Körner und Herr Mohr, dass die Entscheidung, ob oder nicht Gensoja-Verfütterung eine politische Entscheidung sei. Nachdem der Fachbeirat am 24. Oktober 2011 mehrheitlich beschlossen hatte, dass die LLA weiterhin die Freiheit haben sollen, den Bezug von Futtermitteln eigenständig zu regeln, scheint sich der “Wind” zu drehen.

Die in Europa als Lebens- und Futtermittel zugelassenen genmanipulierten Sojasorten enthalten alle eine Herbizidresistenz, zwei davon gegen das stark umstrittene Totalherbizid Roundup von Monsanto. Gleichzeitig ist der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzengifte bundesweit nur noch beschränkt möglich, da man befürchtet, dass der in Glyphosat enthaltene Zusatzstoff Tallowamin (POEA) über Futtermittel auf tierische Produkte übergehen und so zu einer Gefährdung der Gesundheit von Menschen führt. Importiertes Gen-Soja aus den Hauptanbauländern Argentinien und Brasilien wird hingegen nicht einmal kontrolliert, obwohl bekannt ist, dass glyphosathaltige Pflanzengifte dort massiv zum Einsatz kommen.

Erfahrungsberichte aus Argentinien und Brasilien zeigen, dass der Anbau von Gen-Soja drastische soziale und ökologische Folgen hat. Regenwälder und andere bedeutende Ökosysteme fallen den Monokulturen zum Opfer. Für ein Kilo konventionellen Schweinebraten wird unter Anderem der Ertrag von 3 m² Sojaacker verfüttert, 3 m² auf denen einmal artenreicher und klimaschützender Regenwald stand.

“Die Kosten, die kurzfristig höher liegen würden als bei gentechnisch verändertem Futter würden in kurzer Zeit wieder hereingespielt sein, weil Triesdorf als Landwirtschaftliche Lehranstalt Strahlkraft hat und viele Bauern nachziehen würden. Damit würde gentechnisch unverändertes Futter auf Dauer billiger werden. Man kann diese Entwicklung nachvollziehen an den Bioprodukten, die in steigenden Anteilen auch in Supermärkten verkauft werden. Es ist ein Hohn, dass die CSU-Politiker im Bezirkstag einerseits den Beitritt des Bezirks in die Initiative “Original -Regional” allerseits anpreisen und andererseits den dort verankerten Grundsatz der Gentechnikfreiheit im Eigenbetrieb selbst nicht vertreten! ” sagt Amely Weiß, Mitglied der SPD-Fraktion im Umweltausschuss des mittelfränkischen Bezirkstags. “Bewusst werden Verbraucher in Unkenntnis gelassen und damit die Gesundheit von Menschen und Tieren auf das Spiel gesetzt. Dabei wäre eine vollständige Umstellung auf gentechnikfreie Fütterung problemlos möglich und böte den LLA Triesdorf einen Wettbewerbsvorteil durch die besonders hohe Qualität ihrer Produkte.”, ergänzt ihre Kollegin und Bezirksrätin Birgit Raab.

“Die CSU muss endlich ihren Schlingerkurs beenden. Gentechnikanbau in Bayern abzulehnen und gleichzeitig Gen-Futter für unbedenklich erklären, das passt nicht zusammen.” sagt Markus Ganserer, Sprecher des Bezirksverbandes Mittelfranken der GRÜNEN. “Darüber hinaus muss die CSU sich bei der Bundesregierung und in Europa für eine generelle Gentechnikfreiheit in der Landwirtschaft stark machen.”

Die Bezirkstagsfraktionen von B´90/DIE GRÜNEN und SPD sowie der Bezirksverband Mittelfranken von B`90/DIE GRÜNEN fordern, als ersten und sofortigen Schritt eine Umstellung auf genfreies Sojafutter in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten einzuleiten. Das Ziel muss jedoch eine vollständige regionale Eiweißfutterversorgung sein. Begrüßenswert ist, dass die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf bereits signalisiert haben, verstärkt an einer eigenen Eiweiß-Strategie zu arbeiten. Ein entsprechender Beschluss wurde im Fachbeirat einstimmig beschlossen. Bis dahin gehört Gensoja nicht in den Futter-Trog.

Von: Birgit Raab

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