Rechenschaftsbericht von Walter Schäfer – Ein Jahr Zuhören, Begleiten und Brückenbauen

Im Bezirkstag hat unser Fraktionsvorsitzender und Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung, Walter Schäfer, seinen Rechenschaftsbericht für den Zeitraum November 2023 bis September 2025 vorgestellt. Für uns als Fraktion war dieser Bericht weit mehr als eine formale Rückschau: Er vermittelte, wie viel Beziehungsarbeit, wie viel Beharrlichkeit und wie viel persönliches Engagement hinter dieser Aufgabe stehen.

Walter gab einen Einblick in ein Jahr, das geprägt war von zahlreichen Begegnungen – mit Betroffenen, Einrichtungen, Studierenden, Fachkräften, Verwaltungen und vielen Menschen, die Unterstützung suchen oder Fragen haben. Sein Bericht machte eindrucksvoll deutlich, wie anspruchsvoll und zugleich wie wertvoll diese Funktion ist.

Über 80 Termine – und ebenso viele Geschichten dahinter

Walter absolvierte im Berichtszeitraum mehr als 80 Termine, quer durch Mittelfranken und darüber hinaus. Hinter jeder dieser Begegnungen steht eine konkrete Situation: eine Familie, die nach Orientierung sucht; eine Einrichtung, die sich weiterentwickeln will; ein junger Mensch, der Unterstützung beim Übergang ins Erwachsenenleben braucht; ein Verband, der Austausch sucht; ein Gremium, das beraten werden möchte.

Dazu kamen unzählige E-Mails, Telefonate und Gespräche, die ihn oft auch außerhalb regulärer Arbeitszeiten erreichten. Was bei all dem deutlich wurde: Der Einsatz des Behindertenbeauftragten lässt sich kaum in Zahlen messen. Vielmehr lebt diese Aufgabe davon, zuzuhören, auszuhalten, zu begleiten – und immer wieder neue Wege zu suchen, wenn die bisherigen nicht ausreichen. Text Rechenschaftsbericht

Rechtliche Grundlagen – und die Verantwortung, die daraus erwächst

Walter erläuterte zudem, worauf seine Tätigkeit rechtlich basiert: das Bayerische Behindertengleichstellungsgesetz und die Satzung des Bezirks Mittelfranken, die seine Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit sichern.

Diese Grundlagen sind wichtig – denn sie ermöglichen eine Haltung, die Walter im Bericht mehrfach betonte: Menschen mit Behinderung brauchen eine Stimme, die unabhängig bleibt, die unmittelbar erreichbar ist und die Barrieren benennt, wenn sie sichtbar werden.

Die Satzung beschreibt ihn als zentrale Anlaufstelle und als Bindeglied zwischen Verwaltung, Politik und den Menschen selbst. Genau so füllt er diese Rolle aus. Text Rechenschaftsbericht

Persönliche Zukunftsplanung – ein Raum für Wünsche, Hoffnung und Selbstbestimmung

Besonders ausführlich berichtete Walter über zwei große Veranstaltungen zur persönlichen Zukunftsplanung, die in Nürnberg und Ansbach stattfanden.

Hier begegnete er Menschen, die sehr klar wussten, was sie sich für ihr Leben wünschen – und anderen, denen es schwerfiel, ihren eigenen Willen überhaupt zu formulieren. Gemeinsam mit Kolleg*innen aus Selbsthilfeverbänden, Pädagogik und Verwaltung begleitete Walter die Teilnehmenden durch Fragen wie:

  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Welche Unterstützung brauche ich?
  • Wie komme ich meinen Zielen näher?

Diese Treffen machten deutlich, wie kraftvoll es sein kann, wenn Betroffene ernst genommen werden – und wie viel Mut darin liegt, den eigenen Weg selbst zu gestalten. Text Rechenschaftsbericht

Regensburger Erklärung – Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Ein weiterer Höhepunkt des Berichts war das jährliche Treffen der Behindertenbeauftragten aus ganz Bayern in Regensburg.

Walter schilderte, wie wertvoll dieser Austausch ist: Drei Tage voller Gespräche, Erfahrungen und gemeinsamer Überlegungen. Hier entstand auch die Regensburger Erklärung zur Kommunalwahl 2026 – ein Dokument, das Orientierung geben soll, wie inklusive Kommunalpolitik gelingen kann.

Für Walter war dieses Treffen ein Beispiel dafür, wie gut Zusammenarbeit funktionieren kann, wenn Menschen sich offen begegnen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Text Rechenschaftsbericht

Behindertenfahrdienst – Mobilität als Voraussetzung für Teilhabe

Ein besonders bewegender Teil des Berichts war die Geschichte des jungen Mannes Janis, den Walter bei einer Veranstaltung zur Zukunftsplanung kennengelernt hatte. Janis berichtete ihm später von seinem Versuch, mit dem öffentlichen Nahverkehr eigenständig mobil zu sein – und davon, wie viele Hürden ihm dabei begegneten: defekte Aufzüge, unlesbare Beschilderung, unübersichtliche Wege, verpasste Anschlüsse.

Seine Erfahrungen brachten auf den Punkt, was Walter deutlich machte: Für viele Menschen ist der Behindertenfahrdienst nicht einfach ein Angebot, sondern die einzige Möglichkeit, selbstbestimmt unterwegs zu sein – Freunde zu treffen, Termine wahrzunehmen, am Leben teilzuhaben.

Walter schilderte, wie sehr ihn dieser Austausch berührt hat – und wie wichtig es ist, über die formalen Strukturen hinaus stets den Menschen im Blick zu behalten, der dahintersteht. Text Rechenschaftsbericht

Vortrag an der Wilhelm-Löhe-Hochschule – Achtsamkeit als politische Haltung

Einen ungewöhnlich persönlichen Schwerpunkt setzte Walter in seinem Vortrag an der Wilhelm-Löhe-Hochschule. Dort sprach er darüber, wie Achtsamkeit politische Prozesse beeinflussen kann – und wie sie helfen kann, komplexe Situationen besser zu verstehen.

Dabei ging es nicht um eine Methode, sondern um eine Haltung: präsent zu sein, wahrzunehmen, bevor man urteilt, und Entscheidungen mit Klarheit und Mitgefühl zu treffen. Dieser Gedanke zog sich spürbar durch den gesamten Rechenschaftsbericht. Text Rechenschaftsbericht

Ausblick: Erste inklusive Jobmesse 2026

Zum Schluss richtete Walter den Blick nach vorn: Im Juli 2026 wird Mittelfranken seine erste inklusive Jobmesseveranstalten – gemeinsam mit der Stadt Fürth und zahlreichen Partnern.

Mit rund 50 Arbeitgeber*innen, Workshops, Beratungsangeboten und einem breiten Rahmenprogramm soll die Messe ein Ort der Begegnung werden, an dem berufliche Perspektiven sichtbar werden und neue Chancen entstehen.

Walters Vorfreude war spürbar: Dieses Projekt steht symbolisch für alles, wofür er sich einsetzt – Menschen miteinander in Kontakt bringen, Türen öffnen und Teilhabe ermöglichen. Text Rechenschaftsbericht

Fazit

Der Rechenschaftsbericht zeigte eindrucksvoll, wie viel Engagement, Sensibilität und Ausdauer die Arbeit des Behindertenbeauftragten erfordert.

Für uns als Fraktion war dieser Bericht ein bewegender Einblick in ein Jahr, das von großer Nähe zu den Menschen geprägt war – und von dem fortwährenden Bemühen, ihre Lebensrealitäten ernst zu nehmen und sichtbar zu machen.

Walters Arbeit zeigt: Teilhabe entsteht nicht allein durch Gesetze, sondern durch Aufmerksamkeit, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, Menschen zuzuhören.