Lisas Blick auf Popkultur und regionale Gerechtigkeit

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Popkultur ist weit mehr als Unterhaltung. Sie schafft Identität, verbindet Generationen und prägt das Lebensgefühl einer Region. Im Auftaktvideo spricht Lisa über ihre politischen Herzensprojekte – eines davon ist die Stärkung der Popkultur in ganz Mittelfranken.

Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der regionalen Musik- und Kulturszene. Aus dieser Erfahrung heraus verbindet sie fachliche Expertise mit einem klaren kulturpolitischen Anspruch: Fördermittel müssen so eingesetzt werden, dass sie nicht bestehende Ungleichgewichte verstärken, sondern kulturelle Infrastruktur in der gesamten Region stärken.

Im folgenden Interview erläutert Lisa, warum Popkultur für sie Teil öffentlicher Daseinsvorsorge ist, wo sie strukturelle Defizite sieht – und wie eine gerechte Kulturförderung im Bezirk Mittelfranken aussehen kann.


1. Warum liegt dir das Thema Popkultur persönlich am Herzen?

Ich bin seit über 13 Jahren Moderatorin und Redakteurin der Lokalen Leidenschaften auf Radio Z, gemeinsam mit meinem kongenialen Kollegen Andreas Basner. 
Über 600 Bands, Tausende Stunden Sendezeit habe ich mich mit Musiker:innen, Festivalorganisator:innen, Fotograf:innen, Mitarbeitenden der Kulturverwaltung und noch vielen mehr darüber unterhalten, wie Popkultur in Mittelfranken funktioniert – und was ihr fehlt. 
Es gibt eine Handvoll Menschen in Mittelfranken, die sich mit Popkultur so gut auskennen wie ich. 
Und daraus erwächst für mich Verantwortung.


2. Was läuft aus deiner Sicht in Mittelfranken im Bereich Kultur schon gut – und wo gibt es noch Luft nach oben?

In Mittelfranken gibt es viele kulturelle Stärken, auf die wir stolz sein können. Die Denkmalpflege wird engagiert betrieben, unsere Erinnerungskultur wird lebendig gehalten, das Fränkische Freilandmuseum ist ein Schmuckstück und Theaterhäuser sowie freie Ensembles erhalten kontinuierliche Unterstützung. Diese Angebote bereichern unsere Region, schaffen Identität und ziehen Menschen an.

Luft nach oben gibt es vor allem in der Popkulturförderung. Hier zeigt sich eine klare Schieflage: Die Mittel konzentrieren sich zu stark auf Nürnberg, während Musikerinnen, Bands und Veranstalterinnen in kleineren Städten und ländlichen Räumen oft übersehen werden. Proberäume, Auftrittsmöglichkeiten und gezielte Förderangebote fehlen vielerorts. Das führt dazu, dass kreative Potenziale nicht genutzt werden und junge Menschen abwandern.

Als Bezirk Mittelfranken müssen wir diese Lücke schließen: Popkulturförderung darf keine Großstadtpolitik sein, sie muss in der Fläche wirken, Infrastruktur aufbauen und jungen Menschen in der ganzen Region Chancen eröffnen. Nur so können wir die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Kulturlandschaft nachhaltig sichern.


3. Warum ist es wichtig, dass Kulturangebote nicht nur in den großen Städten stattfinden?

Kultur ist kein Großstadtbonus, sondern Teil öffentlicher Daseinsvorsorge. Als Bezirk Mittelfranken haben wir den gesetzlichen Auftrag, auf gleichwertige Lebensverhältnisse in der gesamten Region hinzuwirken. Das gilt ausdrücklich auch für die Popkultur.

In der aktuellen Praxis sehen wir jedoch eine deutliche Schwerpunktbildung in den urbanen Zentren – insbesondere in Nürnberg. Dort existieren seit Jahrzehnten gewachsene Strukturen: professionelle Netzwerke, etablierte Spielstätten, institutionelle Träger. Das ist wertvoll und soll nicht in Frage gestellt werden. Aber genau deshalb muss sich die bezirkliche Förderung strukturell anders ausrichten.

Der Haushalt des Bezirks speist sich aus Umlagen aller Städte und Landkreise Mittelfrankens. Wenn Fördermittel überwiegend dort eingesetzt werden, wo ohnehin bereits belastbare Infrastruktur vorhanden ist, entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht. Bezirksmittel dürfen nicht bestehende kommunale Strukturen doppeln – sie müssen ergänzen und ausgleichen.

Im ländlichen Raum fehlen häufig genau die Grundlagen: Proberäume, niedrigschwellige Auftrittsmöglichkeiten, professionelle Beratung, nachhaltige Aufbauprogramme. Wer dort Popkultur stärken will, muss in Infrastruktur investieren – nicht nur in einzelne Veranstaltungen. Projektförderung allein reicht nicht aus, wenn keine dauerhaften Strukturen entstehen.

Haushaltspolitisch bedeutet das: Wir brauchen klare Förderrichtlinien mit regionaler Ausgewogenheit, transparente Kriterien und eine stärkere strukturelle Förderung in der Fläche. Es geht um Aufbauarbeit, um Anschubfinanzierung, um dauerhafte Präsenz – nicht um punktuelle Eventpolitik.

Popkultur ist ein zentraler Identifikationsfaktor für junge Menschen. Wenn kulturelle Perspektiven nur in den Großstädten sichtbar sind, verstärkt das Abwanderungstendenzen. Wer lebendige ländliche Räume will, muss kulturelle Infrastruktur dort verlässlich absichern.

Unser Anspruch als Bezirk Mittelfranken muss daher sein: Mittel so einzusetzen, dass sie regionale Disparitäten abbauen – nicht verfestigen. Gleichwertige Lebensverhältnisse sind kein Schlagwort, sondern ein haushaltspolitischer Auftrag. Und genau daran muss sich auch die Popkulturförderung messen lassen.


4. Du setzt dich besonders für Frauen in der Kultur ein. Wo siehst du hier noch Herausforderungen?

Gerade in Mittelfranken zeigen sich sehr konkret die strukturellen Herausforderungen, die Frauen im Kulturbereich betreffen.

In der Popkultur – also etwa in der Clubszene, bei Festivals, in der Musikproduktion oder im Kulturmanagement – sind Frauen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert, insbesondere in  Bereichen wie Tontechnik, Booking oder Veranstaltungsleitung. Line-ups sind vielerorts noch immer männlich dominiert. Das ist keine Frage fehlender Qualität, sondern häufig eine Frage von Netzwerken, Sichtbarkeit und tradierten Strukturen.

In Mittelfranken kommt hinzu, dass wir nicht nur urbane Räume wie Nürnberg oder Erlangen haben, sondern auch viele ländlich geprägte Regionen. Gerade dort ist die kulturelle Infrastruktur fragiler. Für junge Künstlerinnen bedeutet das: weniger Auftrittsmöglichkeiten, weniger professionelle Strukturen und häufig auch weniger Vorbilder vor Ort. Wer in der Popkultur Fuß fassen will, braucht Räume – Proberäume, Bühnen, Förderprogramme – und verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.

Eine weitere Herausforderung sehe ich in der nachhaltigen Förderung. Projektmittel sind wichtig, aber sie reichen nicht aus, um langfristige Karrieren aufzubauen. Besonders in der Popkultur, die oft weniger institutionell verankert ist als klassische Kulturformen, braucht es gezielte Förderinstrumente für Nachwuchskünstlerinnen, Produzentinnen und Veranstalterinnen.

Wir müssen in Mittelfranken also gezielt Strukturen stärken, die Frauen in der Popkultur unterstützen. 

Dafür brauchen wir:

  • transparente Förderverfahren, 
  • Netzwerke und Mentoring-Programme, 
  • die bewusste Förderung weiblicher Acts bei regionalen Festivals und 
  • die Schaffung sicherer Räume im Nacht- und Veranstaltungsleben. 

Wenn wir wollen, dass die Popkultur im Bezirk Mittelfranken innovativ und vielfältig bleibt, dann müssen wir die Perspektiven und das kreative Potenzial von Frauen konsequent mitdenken und fördern.


5. Was wünschst du dir für die kulturelle Entwicklung unserer Region in den nächsten Jahren?

Zu einer Zeit, als Wünschen noch geholfen hat … Im Ernst, ich verlasse mich ungern aufs Wünschen. 

Das Ziel muss sein, dass die knappen Gelder für Kultur in Mittelfranken gerecht verteilt werden. 

Von Nürnberg bis in die kleinsten Städte und Dörfer. Nur so wird unsere Region kulturell lebendig und vielfältig bleiben. 


Zusammenfassung in leichter Sprache

Popkultur gehört zum Leben dazu.
Dazu zählen zum Beispiel Bands, Konzerte, Clubs, Festivals oder junge Künstlerinnen und Künstler.

Lisa beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Popkultur in Mittelfranken.
Sie hat mit vielen Musikerinnen, Veranstaltern und Kulturschaffenden gesprochen.
Deshalb kennt sie die Szene sehr gut.

Für sie ist klar:
Popkultur ist wichtig für unsere Region.
Sie gibt jungen Menschen eine Stimme.
Sie schafft Gemeinschaft und Identität.

Was läuft gut?

In Mittelfranken gibt es viele gute Kulturangebote.
Zum Beispiel Theater, Museen und Denkmalpflege.
Darauf können wir stolz sein.

Wo gibt es Probleme?

Bei der Förderung von Popkultur gibt es ein Ungleichgewicht.
Viele Fördergelder gehen nach Nürnberg.
In kleineren Städten und auf dem Land fehlen oft:

  • Proberäume
  • Auftrittsmöglichkeiten
  • langfristige Förderprogramme

Das ist ein Problem.
Denn der Bezirk bekommt sein Geld von allen Städten und Landkreisen.
Darum sollten auch alle Regionen davon profitieren.

Warum ist Kultur auf dem Land wichtig?

Kultur ist kein Extra nur für Großstädte.
Alle Menschen sollen Zugang zu Kultur haben.
Das nennt man „gleichwertige Lebensverhältnisse“.

Wenn junge Menschen nur in großen Städten gute Kulturangebote finden,
ziehen sie oft dorthin.
Das schwächt den ländlichen Raum.

Deshalb sagt Lisa:
Der Bezirk muss gezielt dort investieren, wo noch keine starken Strukturen bestehen.

Warum setzt sich Lisa besonders für Frauen ein?

In der Popkultur sind Frauen oft unterrepräsentiert.
Zum Beispiel bei Festivals, in der Technik oder in Leitungspositionen.

Oft fehlt es nicht an Talent, sondern an:

  • Netzwerken
  • Sichtbarkeit
  • Fördermöglichkeiten

Lisa möchte deshalb:

  • faire und transparente Förderverfahren
  • Mentoring-Programme
  • mehr weibliche Acts auf Festivals
  • sichere Räume im Veranstaltungsleben

Was ist ihr Ziel?

Die knappen Gelder für Kultur sollen gerecht verteilt werden.
Von Nürnberg bis in kleine Städte und Dörfer.

So bleibt Mittelfranken kulturell lebendig, vielfältig und attraktiv –
für alle Menschen in der Region.