Manche politischen Projekte entstehen in Sitzungen, aus Anträgen oder langen Strategiepapieren. Andere beginnen ganz leise – bei einem Kaffee, in einem zufälligen Gespräch, aus einer Überzeugung heraus. So war es auch bei der inklusiven Jobmesse InkluJob Mittelfranken.
Die Idee dazu entstand 2024 bei der Preisverleihung „Job Erfolg“ in München. Walter Schäfer, Fraktionsvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bezirk Mittelfranken und Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung, war dort in Vertretung des Bezirkstagspräsidenten. Ausgezeichnet wurde an diesem Abend unter anderem die inklusive Jobmesse aus Regensburg – ein Projekt, das Walter nachhaltig beeindruckte.
„Ich stand in der Pause mit einem Kaffee an einem Stehtisch und habe voller Begeisterung von dieser Messe erzählt – und davon, dass ich mir so etwas auch für ganz Mittelfranken wünsche“, erinnert er sich. Dass sein Gesprächspartner niemand Geringeres als der Präsident des Zentrums Bayern Familie und Soziales (ZBFS) war, erfuhr Walter erst später. „Ich habe völlig unbedarft von meiner Vision erzählt – und plötzlich war klar: Diese Idee hat Rückenwind.“
Noch am selben Abend wurden erste Kontakte geknüpft, Fördermöglichkeiten angestoßen und aus einer Vision begann ein konkretes Projekt zu werden.

Doch die InkluJob Mittelfranken ist für Walter weit mehr als ein organisatorischer Erfolg. Sie ist ein Herzensprojekt – gespeist aus vielen Gesprächen, Erfahrungen und auch Widersprüchen, die ihm in seiner Arbeit immer wieder begegnen.
„Ich erlebe seit Jahren dieses Spannungsfeld rund um Werkstätten für Menschen mit Behinderung sehr deutlich“, sagt er. Auf der einen Seite gebe es berechtigte politische Forderungen, Segregation zu überwinden und mehr Teilhabe auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Auf der anderen Seite stehe die ganz reale Angst vieler Menschen: die Angst, Sicherheit, Struktur, Zugehörigkeit und einen geschützten Rahmen zu verlieren.
Hinzu komme der Vorwurf, Werkstätten würden Übergänge blockieren – dass Menschen, die durchaus Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt hätten, nicht ausreichend unterstützt würden. Für Walter ist klar: Diese Debatte darf nicht gegeneinander geführt werden.
„Mir ist wichtig, dass wir nicht in ein Entweder-oder verfallen. Inklusion gelingt nicht durch Abwertung bestehender Strukturen, sondern durch echte Übergänge, durch Vertrauen und durch Begegnung.“
Genau hier setzt die inklusive Jobmesse an. Sie bringt Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen, Menschen mit und ohne Behinderung, Werkstätten, Unterstützungsstrukturen, Verwaltung und Politik. Nicht abstrakt, sondern konkret. Nicht übereinander, sondern miteinander.
„Im direkten Gespräch können Vorurteile abgebaut werden. Man versteht plötzlich, warum jemand zögert, warum jemand Angst hat – und wo echte Chancen liegen“, so Walter. Sein Wunsch ist, dass auch politisch Verantwortliche diese Realität unmittelbarer erleben: damit Übergänge vom zweiten auf den ersten Arbeitsmarkt durchlässiger, menschlicher und realistischer werden – ohne dass Menschen das Gefühl haben, etwas zu verlieren.
An dieser Stelle betont Walter ausdrücklich den gemeinschaftlichen Charakter des Projekts: „Dass aus der Idee ein tragfähiges Projekt werden konnte, verdanken wir dem außergewöhnlichen Engagement vieler Beteiligter.“ Sein Dank gilt unter anderem Dr. Meike Müller-Klier von der IHK Fürth, die von Beginn an begeistert war und mit der Auftaktsitzung in den Räumen der IHK einen entscheidenden Startpunkt ermöglichte. Ebenso Ute Günzel vom ZBFS Nürnberg, die nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch ganz pragmatisch frühzeitig finanzielle Mittel zugesagt hat – „Rückenwind genau zur richtigen Zeit“. Ein besonderer Dank geht auch an Sandra Wagner vom Wirtschaftsreferat der Stadt Fürth, deren Erfahrung aus der Organisation anderer Messen für den Erfolg von unschätzbarem Wert war.
Nicht zuletzt dankt Walter dem Bezirkstagspräsidenten und der Bezirksverwaltung für das Vertrauen, diesen Weg gemeinsam zu gehen. „Ohne dieses Vertrauen wäre aus einer Idee kein Projekt geworden“, betont er.
Die InkluJob Mittelfranken steht damit exemplarisch für eine grüne Haltung zur Inklusion: zuhören, verbinden, ermöglichen. Sie zeigt, dass Inklusion kein abstraktes Ziel ist, sondern konkrete Räume braucht, in denen Begegnung stattfinden kann. Räume, in denen Vielfalt nicht als Herausforderung, sondern als Chance verstanden wird – für Unternehmen ebenso wie für Menschen.
Oder, wie Walter es selbst zusammenfasst: „Eine inklusive Gesellschaft entsteht nicht durch Schlagworte. Sie entsteht dort, wo Menschen sich auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Genau dafür schaffen wir mit dieser Jobmesse einen Raum.“