Es geht auch ohne Abschuss

Ansbach – Die Bündnisgrünen im mittelfränkischen Bezirkstag lehnen die Resolution der CSU ab. Diese steht im Widerspruch zu Aussagen des CSU-geführten Umweltministeriums, das auf ein intelligentes Kormoranmanagement setzt.   Die CSU-Fraktion im mittelfränkischen Bezirkstag fordert eine Resolution zur Reduzierung der Kormoranschäden. Die Forderung, auch wenn neutral formuliert, ist eindeutig: Weil besonders die Teichwirte in Mittelfranken unter Schäden durch Kormorane leiden, soll dieser geschützte Vogel in weitaus größerem Umfang wie bisher zum Abschuss frei gegeben werden.

Überraschend für die Grünen, denn im aktuellen Artenschutzbericht des bayerischen Umweltministeriums unter Minister Dr. Markus Söder wird festgestellt, dass “mit 550 – 600 Brutpaaren der bayerische Brutbestand im nationalen Vergleich vergleichsweise gering ist (2,5 % des nationalen Brutbestands). Insgesamt hat der bayerische Brutbestand derzeit ein weitgehend stabiles Niveau, wie die nur noch geringe Zuwachsrate seit 2002 belegt”, so das Ministerium. Das Hauptproblem ist demnach, dass der Kormoran immer öfter im Winter als Gast in Bayern bleibt, anstatt in den Süden zu ziehen. Auch hier hat sich die Zahl stabilisiert, aber nach Ministeriumsangaben ist die Kapazitätsgrenze der bayerischen Gewässer bereits seit Jahren erreicht. Deshalb wurde ein bayerisches Kormoranmanagement installiert, um einen Ausgleich zwischen den Belangen des Natur- und Artenschutzes und den Interessen der Fischerei zu erreichen. Das Ministerium plädiert für ein gemeinsames Vorgehen. So soll die europäische Arbeitsgruppe INTERCAFE in Kürze einen detaillierten Bericht zu den Möglichkeiten und der Effizienz von Vergrämungsmaßnahmen ohne Abschuss vorlegen.

Das Umweltministerium ist längst aktiv

Der “Arbeitskreis für eine Optimierung des Kormoranmanagements in Bayern” des Obersten Naturschutzbeirates, der mit hochrangigen Vertretern der betroffenen Schützer- und Nutzerverbände sowie der Wissenschaft besetzt ist, erarbeitet durch offene Diskussion auf allen Seiten akzeptierte Ergebnisse und Optimierungsvorschläge. So sollen in einem dreijährigen Modellprojekt in mehreren besonders betroffenen Gebieten zwei regionale Kormoranbeauftragte eingesetzt werden. Diese sollen in Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort Abwehr- und Vorbeugemaßnahmen auf Eignung und Effizienz prüfen, geeignete Maßnahmen bündeln und unterschiedliche Aktionen aufeinander abstimmen. “Wir sollten uns an diesem Projekt des Ministeriums beteiligen, anstatt populistisch unerfüllbare Forderungen zu stellen”, erklärt Fraktionskollege Klaus Hiemeyer, denn da die Zahlen laut Ministerium seit Jahren unverändert sind, hat sich das Kormoranproblem nicht wirklich zugespitzt, sondern wird nur verstärkt wahrgenommen.

Probleme mit Kormoranen eine Folge der CSU-Politik

“Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal auf einen CSU-Minister berufe”, so Grünen Bezirksrätin Birgit Raab, die für ihre ablehnende Haltung zur Resolution lediglich aus dem Artenschutzbericht des Umweltministeriums zitieren muss. “Ich verstehe nur nicht, warum die guten Ansätze aus München nicht auch in Mittelfranken umgesetzt werden können, stattdessen setzten die regionalen CSU-Politiker auf Kirchturmpolitik und wollen statt einer gemeinsamen Lösung eine eigene.”

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Kormoranproblematik durch die jüngste CSU-FDP-Politik sogar verschärfen wird. So wurde im Februar 2010 das Bayerische Wassergesetz im Landtag verabschiedet. Ohne ein eigenes Wassergesetz wäre sonst am 1. März 2010 das Bundeswassergesetz in Kraft getreten, welches zum Schutz und Sauberhalten von Gewässern einen Abstand von mindestens fünf Metern zu Bächen und Seen vorschreibt. Anders als in den meisten Bundesländern existiert damit in Bayern weiterhin keine Verordnung, die einen Mindestabstand zwischen Gewässern und Feldern vorschreibt. So dürfen Landwirte beim Düngen dicht an Seen und Flüsse fahren. Die Folge: Die mittelfränkischen Gewässer werden stark belastet, wodurch sich die Fischbestände reduzieren. Wäre der Fischbestand in den Gewässern höher, so würden die Kormorane möglicherweise gar nicht ins Gewicht fallen, da sie dort genug Nahrung finden würden. Zusätzlich hat die höhere Belastung der Gewässer ein Algenproblem im Altmühlsee und Kleinen Brombachsee hervorgerufen, mit gravierenden Folgen für den heimischen Tourismus, worauf hier aber nicht näher eingegangen werden soll.

Die Bündnisgrünen erkennen selbstverständlich die massive Belastung der Teichwirte, doch diese kann langfristig allein durch den Abschuss nicht gemindert werden. Vielmehr ist eine Bündelung mehrerer Maßnahmen notwendig, wie sie auch das Ministerium vorschlägt. Deshalb lehnen die Grünen im Bezirkstag die Kormoran-Resolution der CSU ab. “Die CSU-Bezirkspolitiker machen sich vordergründig zum Lobbyisten der Teichwirte, langfristig schaden sie ihnen damit”, vermutet Birgit Raab. Zum einen sollte man die Teichwirte bei der Anlage ihrer Teiche mit in die Verantwortung ziehen, zum Anderen sollte sich der Bezirk an Projekten und strategischen Überlegungen des Umweltministeriums aktiv beteiligen. Nur gemeinsam, so wie es auch das Ministerium empfiehlt, können zukunftsfähige Konzepte umgesetzt werden, um unserer Fränkischen Heimat langfristig helfen – im Einklang mit der Natur.

Verwandte Artikel